Konzept

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …“ (Lukas 4, 1). Dennoch leben noch immer Menschen unter uns für die allein schon das tägliche Brot keine Selbstverständlichkeit ist und die ohne die ehrenamtliche Tätigkeit der Tafeln in Deutschland sogar physisch Hunger leiden würden.

Auch die Mehrheit der Künstler lebt im Land der Dichter und Denker unterhalb der staatlich definierten Armutsgrenze. Nur 2 % der Künstler mit Studienabschluss erwerben ihr Brot durch künstlerische Tätigkeit, obwohl die Medien voll sind von Meldungen über Rekord-Auktionen in Millionenhöhe.

Schon lange sind Künstler im Gespräch darüber, wie und wo Kunst gesellschaftlich in Erscheinung tritt. Ist Kunst nicht mehr als ein Luxusgegenstand für Besserverdienende? Ist sie ein Wohlfühlraum für´s Wochenende oder etwas ganz anderes? Gehört Kunst überhaupt in den Umkreis der Kultur? Ist sie nicht vielmehr ihr Gegensatz, eine Außenstelle der Welt, ein Ort für das Fremde zwischen uns? Für wen sind diese Fragen und die Räume der Kunst tatsächlich zugänglich? Und für wen sollen sie zugänglich sein?

Diese Gespräche dauern an. Hoffentlich.

Durch diese Gespräche und die Entscheidung einiger Künstler entsteht brotundkunst: Künstler schenken Kunst für die Menschen, die sich mit Hilfe der Tafel versorgen. Wer zur Tafel geht, soll dort nicht nur körperlich satt werden, sondern kann auch ein Kunstwerk mitnehmen, wenn er dazu berechtigt ist.

Was berechtigt uns zum Besitz von Kunstwerken?

Mit brotundkunst kehren wir die Besitzverhältnisse um: Berechtigt ist man durch einen Ausweis der Tafel. Berechtigt ist man durch den ökonomischen Mangel in unserer Welt des Überflusses. Das heißt, brotundkunst macht ernst mit der Tatsache, dass man Kunst nicht Kaufen kann!

Die meisten Menschen müssten hierzu wie der biblische Jüngling zunächst alles was sie haben verkaufen und den Armen geben, um dann, wie diese berechtigt zu sein, eines dieser Kunstwerke zu besitzen.

Wir hoffen, dass diese Umwertung der Verhältnisse die Menschen, die zur Tafel kommen, erfreut.

Wir hoffen auch, dass die dadurch Ausgeschlossenen, also die sonst Privilegierten, brotundkunst zum Anlass nehmen, ihre Mitverantwortung für die Verhältnisse zwischen den Menschen wahrzunehmen und zu erkennen.